Rabenfeder

Bücher, Seifen und das wahre Leben

  • Home
  • California Frenzy
  • Die Rabenfeder
  • Spielmannsfluch

27

May

Die Nebelburg

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden

Es wird mal wieder Zeit für eine Rezension. Und das hier war mein Lesefutter:

Die Nebelburg - Cover

Inhalt
Daphne - die Tochter des Schulmeisters - ist neu in Gründling. Doch schon bald freundet sie sich mit Rinia an. Die beiden Mädchen verbindet ein gemeinsamer Traum: die Ritterwürde zu erlangen, am besten natürlich bei den Greifenrittern, der Leibgarde des Königspaares und den angesehensten Rittern im Lande. Als sie tatsächlich zum Training an den Königshof berufen werden, scheint die Erfüllung dieses Traumes in greifbare Nähe gerückt zu sein.
Doch während sich Daphne und Rinia mit der harten und langwierigen Ausbildung und ihren - bisweilen missgünstigen - Mitschülerinnen herumschlagen, gehen im Land noch andere Dinge vor sich. Der Zauberer Scalmac fordert jedes Jahr einen der Greifenritter zum Kampf - und hat bisher immer gewonnen. Keiner der Ritter ist lebend aus der Nebelburg zurück gekommen, die unzugänglich in einem dichten, magischen Forst liegt. Jedes Jahr aufs Neue sehen die Ritter sich gezwungen, die Herausforderung anzunehmen - oder zu riskieren, dass Scalmac seine unheimliche Macht weiter ausdehnt.
Daphne und Rinia stehen schon kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung, als ein Unglück geschieht, das sie beide in den Wirkungskreis des dunklen Magiers zieht. Und schließlich muss sich Daphne entscheiden, ob sie ihren Traum vom Rittertum aufgeben möchte, um Rinia zu retten.

So weit - so gut.

Meine Meinung
“Die Nebelburg” bietet alles, was ich in meinen lesenderweise verbrachten Jugendjahren geliebt habe: schön gezeichnete (weibliche!) Charaktere, Abenteuer, Freundschaft, schwierige Zeit des Erwachsenwerdens, dunkle Magie und eine liebevoll ausgearbeitete Fantasywelt. Das Buch als Erwachsene zu lesen führte mich - mit einem Anflug von Wehmut - ein wenig zurück zu meinem vierzehnjährigen Selbst, das dieses Buch verschlungen hätte.
Aber auch für den erwachsenen Leser bietet “Die Nebelburg” einiges. Linda Budingers Schreibstil ist sehr lebendig, die Dialoge gut ausgearbeitet, die Charakterisierungen passen gut - all das lässt einen das Buch nur schwer aus den Händen legen. Das langsame Abgleiten von einem bunten Kindertraum in die düstere Realität der Welt ist sehr gut gelungen und ein bisschen bedrückend.
Ich muss gestehen, dass mir der Ausbildungsteil auf der Greifenburg am besten gefallen hat, die Protagonistinnen Daphne und Rinia unterlaufen hier einer realistisch (obwohl in einer Fantasywelt angesiedelten) gestalteten Ausbildung, die durchaus kein Zuckerschlecken darstellt. Dabei bleibt das Buch frei von Scherenschnittcharakteren - die ganze Burg ist mit Persönlichkeiten bevölkert, die man lieben oder hassen kann, über die man aber gerne liest. Auch müssen sich Daphne und Rinia - wie in einer solchen Geschichte üblich - zwar diversen Schwierigkeiten stellen, aber auch diese Situationen sind erfrischend klischeefrei und heben sich damit angenehm von der großen Masse der “Schulgeschichtenbücher” (inklusive Harry Potter …) ab. Außerdem ist es Linda Budinger gelungen, die Greifen und ihre Beziehung zu ihren Reitern so lebendig zu gestalten, dass man sich selbst wünscht, diesen Tieren zu begegnen. (Sturmfänger ist toll. Will ich jetzt nur mal sagen.)
Ein klein bisschen weniger begeistert war ich - und das ist wirklich nur meine ganz persönliche Meinung - von dem anschließenden Abenteuerteil, der zwar immer noch sehr originelle Ideen und Situationen (ich mag den Raum mit den vielen Türen!) aufweist, aber vielleicht ein bisschen zu nahe an die “klassischen” Abenteuergeschichten herankam, von denen ich eben schon sehr viele zu meiner Zeit gelesen habe. Dennoch ist der Lesespaß auch hier nicht abgefallen, nicht zuletzt - ich kann es nur immer wieder betonen - wegen der wirklich gut dargestellten und liebenswerten Charaktere (Joivi! ;) ).
Und natürlich gibt es einen atemberaubenden Showdown - wie sich das gehört.

Fazit
Ein gut geschriebenes, klassisches und dabei doch ziemlich originelles Fantasybuch - vor allem für jüngere Leser, aber auch für Erwachsene lesenswert. Naturgemäß leichte Lektüre. Ich gebe dem Buch 7 von 10 Punkten.

Buchinfos
Die Greifenritter von Alnoris. Band 1: Die Nebelburg
Autor: Linda Budinger
416 Seiten, Hardcover
14,99 €
Verlag: Spreeside Verlags GmbH
ISBN-10: 3939994243
ISBN-13: 978-3939994244

no comment

15

Apr

Der Hofmagier

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden

Nachdem Coppi uns auf dem Schriftstellerwochenende eine Probe aus dem “Aschengeist” vorgelesen hat, musste ich mir natürlich dringend den ersten Band dieser Trilogie zulegen. Es ist das erste Mal seit gefühlten Jahrhunderten, dass ich wieder einen DSA-Roman in die Hand genommen habe - und ich bin nicht enttäuscht worden.
In der Hoffnung, dass Coppi mich nicht mit ihrer schöpfernen Köpfkelle bearbeitet - eine Rezension.

Inhalt:

Im Jahr 975 BF wird der junge Weißmagier Gaius Cordovan Eslam Galotta an den Hof Kaiser Retos berufen - als Hofmagier. Zunächst ist er stolz, dort dienen zu dürfen, sieht er doch in Reto den Retter des mittelreichischen Königshauses. Doch schon bald verlangt der sehr militärisch angehauchte Kaiser, dass Galotta ihm eine Geheimwaffe bauen soll - zur Eroberung Maraskans. Ein Unterfangen, das viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Gleichzeitig beginnt die Verlobte des Prinzen Hal ganz unverholen mit Galotta zu flirten - was diesem gar nicht so unangenehm ist, auch wenn ihm bewusst ist, in welche Gefahr er sich mit einer Affäre begibt.
Galottas Forschungen bringen ihn zunächst in den Reichsforst, wo es ihm gelingt, vier junge Elfenkinder an sich zu binden. Durch das Studium ihrer Magie macht er mit seiner Waffe große Fortschritte, doch gleichzeitig baut er zu seinen neuen “Töchtern” auch eine durchaus herzliche Beziehung auf.
Schließlich ist der Tag gekommen: Reto zieht in den Krieg gegen Maraskan. Galotta und seine Waffe müssen sich auf dem Schlachtfeld bewähren, und dann ist da noch die merkwürdige Magie der maraskanischen Echsen …

Meine Meinung:
Bei dem Hofmagier handelt es sich durch und durch um einen Charakterroman. Sehr schön, so etwas mag ich gerne, wahrscheinlich werden andere die fehlende Action bemängeln, aber das macht mir nichts aus. Mir reichen die kleineren Scharmützel im Reichsforst und im maraskanischen Dschungel. Der ganze Roman ist episodenhaft gestaltet und dem geneigten Leser darf es nichts ausmachen, wenn ab und zu mal ein paar Jahre kurz zusammengefasst werden. So etwas ist sicher Geschmackssache, mich hat es an manchen Stellen etwas gestört, an anderen nicht so sehr.
Der Protagonist ist gut gezeichnet und seine Gedankengänge - wenn auch nicht immer nachvollziehbar - doch in sich logisch. Ein bisschen fehlt mir der familiäre Hintergrund des guten Galotta … mich würde einfach interessieren, wie er zum Magierphilosophen geworden ist. Ansonsten finde ich besonders die Zeichnung der Elfenmädchen sehr gut gelungen, da man hier das Gefühl bekommt, wirklich ein fremdes Volk vor sich zu haben und nicht einfach nur Menschen mit spitzen Ohren. Weiterhin muss ich ja gestehen, dass ich irgendwie wieder Spaß daran hatte, die alten “Gesichter” aus DSA wieder zu sehen: Reto, Hal, Helme Haffax, Dexter Nemrod … das war doch irgendwie nett.
Zum Stil muss ich sagen, dass man meiner Meinung nach merkt, dass die Autoren noch verhältnismäßig jung waren, streckenweise wirkt er nicht so geschliffen, liest sich ein wenig holprig. Manche Entwicklungen gehen mir ein bisschen zu schnell, andere ziehen sich ein bisschen hin … ich hätte mir hier mehr Hilfestellung von einem Lektoren erhofft, der die Storyline und den Spannungsbogen ein wenig abgeklopft hätte. Ärgerlich in dieser Hinsicht sind auch die recht häufigen Tipp-, Setz- und Bezugsfehler - und ich habe schon die zweite überarbeitete Fassung.
Ausgezeichnet gelungen sind dagegen die Dialoge, schnell, schlagfertig und realistisch, man muss schmunzeln, weil sie so … menschlich sind. Auch gut gefallen hat mir die feine Ironie, die das Buch durchzieht, ein ganz leichter und sanfter Humor, der mich immer wieder schmunzeln ließ.

Fazit
Für Freunde von Charaktergeschichten sehr lesenswert, für die der Action weniger. Naturgemäß leichte Unterhaltung, aber dafür wirklich gut zu lesen. Bekommt von mir 7 von 10 Punkten.
P.S. Und ich mochte das Cover ;)

Buchinfos
Der Hofmagier
Autoren: Kathrin Ludwig, Mark Wachholz
298 Seiten
9,00 €
Verlag: Fantasy Productions
ISBN-10: 3890644767
ISBN-13: 978-3890644769

no comment

16

Feb

Glaubensfrage

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden

Letzte Woche waren wir mal wieder im Kino. Auf den Hinweis der netten WDR2-Kinofilmrezensentin hin, haben wir uns gegen Frost/Nixon und für “Glaubensfrage” entschieden.
Ein weiser Entschluss. Nicht, dass ich eine Ahnung hätte, ob Frost/Nixon etwas taugt, aber Glaubensfrage … nun, kommen wir zur Rezi.

Inhalt:
New York, 1964. Wir befinden uns an der katholischen Schule St. Nicholas. Die Oberherrschaft über die Schule hat die strenge Schwester Aloysius (Meryl Streep), die allen modernen Ansichten sehr kritisch gegenübersteht. Schülerinnen haben ohne Haarschmuck zur Schule zu kommen, Kugelschreiber sind verboten, weil sie das Schriftbild der Schüler ruinieren. Selbst die Mitschwestern haben Angst vor der Direktorin.
Nur einer bietet der Schwester die Stirn: der charismatische und progressive Priester Flynn (Philip Seymour Hoffman). Er hört den Schülern bei ihren Problemen zu, predigt über die Zweifel und Ängste und diskutiert mit den Jungs über Mädchenprobleme.
Schwierig wird die Situation, als der Priester einige Zeit in seinem Büro mit dem einzigen schwarzen Schüler der ganzen Schule verbringt. Sofort regt sich bei Schwester Aloysius der Verdacht auf Missbrauch. Eine Gelegenheit, den ungeliebten Pfarrer loszuwerden? Der Junge selbst sagt nichts, der Pfarrer liefert eine nur unbefriedigende Erklärung. Schwester Aloysius beginnt ihren eigenen kleinen Feldzug gegen den vermeintlichen Übeltäter.

Meine Meinung:
Ich kann nur sagen: der Film ist uneingeschränkt empfehlenswert. Was als einfache Schwarz-Weiß-Geschichte beginnt, entwickelt sich schnell zu einem komplexen Netz aus Lügen und Zweifeln. Der zunächst nette Pfarrer entpuppt sich im Laufe des Filmes als ein narzisstischer Egozentriker. Schwester Aloysius zeigt sich zwar streng und altmodisch, aber sie spielt mit offenen Karten, lebt ihre Überzeugung dermaßen intensiv und sieht sich gleichzeitig so selbstkritisch, dass sie sogar einige Sympathiepunkte bei mir gewinnen konnte. Während es dem Pfarrer sehr schnell “nur noch” darum geht, zu beweisen, dass er kein Teufel und seine Weltsicht die Richtige ist, kämpft Schwester Aloysius verbissen um das Wohl des schwarzen Schülers.
Geschickt manövriert sich der Film um gängige Klischees herum, zeigt uns zwei starke Charaktere, deren Weltsicht frontal aufeinander prallt, und die beide nicht bereit sind, ohne weiteres nachzugeben. Gleichzeitig abgemildert und betont werden diese krassen Gegensätze durch die Nebenfiguren, die irgendwie zwischen die Fronten geraten, so die Mutter des schwarzen Schülers oder die freundliche Schwester James.
Beinahe hätte ich eine Kehrtwendung erwartet, einen Punkt, an dem sich die ganze Geschichte in Wohlgefallen auflöst und eine tränenenreiche Erklärung lauert - aber da wurde ich glücklicherweise enttäuscht. Der Film bleibt bis zum Schluss realistisch und konsequent - und was wirklich zwischen dem Priester und dem Jungen passiert ist - wer weiß?

Fazit
Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, sind es minimale Längen, die sich bisweilen in Dialoge schleichen. Ansonsten ein gut konstruierter Film mit Liebe zum Detail und zur Charakterarbeit.
Allerdings nichts für ausgesprochene Actionfans.
Deswegen: 8 von 10 Punkten

Filminfos:
Glaubensfrage
Originaltitel: Doubt
Läuft seit: 05. 02. 2009

no comment

8

Jan

The Anvil of the World

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden, Plots, Protas und andere Krankheiten

Tja, wenn man einmal mit den Rezis angefangen hat…

Noch im letzten Jahr gelesen: “The Anvil of the World” von Kage Baker. Eine Bekannte hat mir das Buch ans Herz gelegt, nachdem sie “Ilkenland” von mir gelesen hat. Sie meinte, es sei ein schönes Beispiel für Steamfantasy und da ich mich da ja offensichtlich dafür interessiere, wäre ich damit gut beraten.
Je nun …

Inhalt
Das Buch besteht grob betrachtet aus drei “Unterbüchern”, in denen immer wieder die gleichen Charaktere auftreten, die aber jedes für sich eine eigenständige Geschichte erzählen. “Anvil of the World” spielt in einer Welt, in der Magie und Technik recht einhellig nebeneinander existieren. Beherrschende Rassen dieser Welt sind die “Children of the Fire” - eine heißblütige, hoch technisierte, ständig verfehdete Rasse von Entdeckern. Wenn sie sich nicht ständig gegenseitig umbringen würden, hätten sie schon längst die ganze Welt für sich. Ihnen gegenüber stehen die verhältnismäßig friedfertigen, esoterisch veranlagten und naturverbundenen Yendri, die erst vor kurzem das Joch der Sklaverei abgeschüttelt haben. (Klingen ein bisschen nach Elfen, benehmen sich ein bisschen wie Elfen, haben aber dennoch ein paar originelle Züge).
Teilen müssen sich die Yendri und die Children die Welt mit Dämonen und ihren Sprösslingen, hochmagischen Wesen, die früher viel mächtiger waren und sich allmählich der Zivilisation beugen - beziehungsweise sie sogar voran treiben.
So weit, so gut.
In drei Schritten erzählt das Buch von dem Ex-Assassinen Smith, der zunächst Karawanenführer, dann Hotelbesitzer und schließlich … öhm … Auserwählter in einem Krieg zwischen Children und Yendri wird. Zur Seite stehen ihm Lord Ermenwyr, der Sohn eines Dämonenfürsten, Mrs. Smith (nicht verheiratet mit Smith), eine Köchin, Burnbright, eine junge Botenläuferin und Willowspear, ein Yendri-Doktor.
Jeder Buchteil an sich ist geradlinig erzählt und berichtet von all den kleinen Schwierigkeiten, die sich unseren Helden in den Weg werfen, dabei ist Teil eins ein einfacher Abenteuerroman, Teil zwei eine Art Krimi und Teil drei eine Art religiös motiviertes Kurzepos.
Warum ich das nicht besser zusammenfassen kann?
Dazu komme ich jetzt.

Meine Meinung
Selten habe ich mich über ein Buch dermaßen aktiv geärgert.
Warum?
Die Autorin verschenkt massenweise Potential. Gut, erstens sagt mir ihr gezwungen humorvoller Stil nicht richtig zu, aber okay, Geschmackssache und ist nicht so schlimm wie Terry Pratchett (sorry an alle Fans an dieser Stelle). Aber dann. Sie hat eine ziemlich gut ausgearbeitete, interessante Welt, mit Hintergrundgeschichte und Potential für große Konflikte.
Sie hat liebevoll gestaltete Charaktere, die vielleicht ein bisschen zu viele lustige Eigenheiten haben, aber die definitiv keine Standardscherenschnitte sind.
Und was macht sie damit?
Sie erzählt mir erst zwei mehr oder weniger belanglose Geschichten, die immer dann enden, wenn ich gerade in der Erzählung drin bin, und denke, das könnte etwas geben. Nach jedem “Unterbuch” fällt der Spannungsbogen völlig ab, denn das Problem ist zufriedenstellend gelöst und alle Geheimnisse ans Licht gekommen.
Und das alles nur, damit sie mir im nächsten Buch - haha - neue Geheimnisse der Charaktere auftischen kann, die sich in keinster Weise aus der bisherigen Handlung erschließen. Und dann, nachdem der Roman zu zwei Dritteln vorbei ist, kommt sie mir mit einem epischen Religionskrieg, mystischen allmächtigen Artefakten und der Weltrettung.
Warum?
Dazu kommt noch: die Geschichten sind zwar nett, wirken aber ziellos. Einen verbindenen roten Faden gibt es nicht. Die Charaktere haben kein echtes Ziel (”Oh je, wir müssen diese Karawane durchbringen, ohne dass einer der Glasschmetterlinge zerbricht.” Wie dramatisch.) Rätsel tauchen quasi “auf dem Weg” auf und entpuppen sich am Ende jedes Einzelbuches als das entscheidende Element der Geschichte. Leider zuvor nicht zu erkennen, da sie in der Masse von anderen lustigen Rätseln und Eigenheiten der Charaktere untergehen.

Fazit: Nun ja, ich könnte seitenlang so weitermachen. Aber komme ich noch mal zum Punkt: An und für sich mögen die Einzelgeschichten nicht schlecht sein (vielleicht hätte es auch geholfen, wenn diese Art Aufbau auf dem Buch gekennzeichnet gewesen wäre, ich wollte schließlich keine Kurzgeschichten sondern einen Roman), verschenken aber Potential der Welt und der Charaktere. Spannungsbogen verläuft ungeschickt.
Deswegen bekommt der Roman von mir 3 von 10 Punkten (Ohne die netten Ideen wären es noch weniger).

Buchinfos
The Anvil of the World
Autor: Kage Baker
350 Seiten
7,99€
Verlag: Tor Books
# ISBN-10: 0765349078
# ISBN-13: 978-0765349071

no comment

4

Dec

Engel haben keinen Hunger

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden, Plots, Protas und andere Krankheiten

So, damit nicht jemand denken könnte, ich lese nur Fantasy und Spaßbücher, schiebe ich gleich die nächste Rezension hinterher: “Engel haben keinen Hunger” von Brigitte Biermann.
Zu dem Buch bin ich gekommen, weil ich eine Lesung auf der Buch ‘08 in Basel hatte, und mir, bevor ich dran war, die Lesung zu diesem Buch angehört habe.

Inhalt
“Engel haben keinen Hunger” erzählt die biografische Geschichte der jungen Katrin L., die im Alter von 15 Jahren an Magersucht erkrankt. Ich sage bewusst “erkrankt”, weil in dem Buch auch deutlich gemacht wird, dass Magersucht eine körperliche Ursache zugrunde liegt, nämlich eine Stoffwechselstörung im Gehirn. Gemeinsam mit psychischen Faktoren kann dies dann zum Ausbruch der Krankheit führen.
Das Buch erzählt, wie Katrin über einen Zeitraum von vier Jahren immer weiter in die Klauen der Sucht gerät, einen Krankenhausaufenthalt und eine Therapie nach der anderen hinter sich bringt, alles umsonst. Auch das Leid der restlichen Familie - Mutter, Vater und eine Schwester - wird dargestellt, außerdem enthält das Buch authentische Tagebucheinträge Katrins.

Meine Meinung
Das ist nun das vierte Buch zum Thema Magersucht, das ich lese, das dritte, das als Roman funktionieren soll. (Die Ausnahme war die Autobiografie “Alice im Hungerland” von Marya Hornbacher - auch sehr empfehlenswert).
Zu den anderen beiden Romanen, die als Jugendbücher verkauft werden, gibt es allerdings einige Unterschiede. Streckenweise liest sich der Text doch sehr berichtartig, beinahe emotionslos, dazu kommt das eigentliche Fehlen eines Protagonisten. Man bekommt von allen möglichen Leuten alle möglichen Ansichten, Katrin, ihre Eltern, ihre Schwester, ihre Freundin … Dann wiederum springt das Buch in lebendig ausgeschriebene Szenen, die aufgrund der Jugend Katrins wie aus einem Jugendbuch entnommen scheinen.
Dieser Stil hat mir nicht besonders zugesagt, ich fürchte, er nimmt Spannung aus einem Buch, das als Roman verkauft wird und nicht als Untersuchung zum Thema Magersucht. Ich kann mir vorstellen, dass viele Leser davon abgeschreckt werden.
Inhaltlich dagegen gehört das Buch zu den besseren zu dem Thema. Nicht nur, dass auch die körperlichen Ursachen angesprochen werden, die Autorin zeigt auch Symptome auf, an denen Freunde und Verwandte frühzeitig eine Magersucht erkennen können. Durch die Schilderung der Ansichten der Eltern bekommt der Leser auch einen Eindruck, wie sich Magersucht für Verwandte und Freunde darstellt, die meisten anderen Bücher konzentrieren sich auf die Sicht des Opfers.
Die Autorin scheut auch in keinster Weise davor zurück, die schrecklichen Folgen der Magersucht zu erwähnen - Begleiterscheinungen wie Inkontinenz, Osteoporose, Kreislaufversagen, sowie diverse wirkliche unangenehme Persönlichkeitsveränderungen, die Betroffene durchlaufen. Somit nimmt sie gnadenlos der Magersucht ihren verträumten “modischen” Look, den sie leider oft bei Jugendlichen zu haben scheint. Auch wertet die Autorin in keiner Weise. Nicht Katrins Verhalten, nicht das der Eltern - allenfalls ist Kritik an manchen der ärztlichen Methoden herauszuhören.
Wer sich allerdings Hoffnungen macht, dass das Buch Lösungen aufzeigt, ist hier fehl am Platz. Vielleicht Vorschläge, wie man mit der Krankheit umgehen kann, aber Heilung ist - und das wird klar gesagt - nach wie vor sehr schwierig, es gibt keine Patentlösung.

Fazit
Bevor ich jetzt noch in eine - zugegeben laienhafte, da angelesene - Abhandlung über Magersucht verfalle, gebe ich meine Wertung ab. Leider gibt es von mir Abzüge für Stil und Lesbarkeit, deswegen 6 von 10 Punkten. Inhaltlich jedoch sehr empfehlenswert für jeden, den das Thema interessiert.

Buchinfos
Engel haben keinen Hunger
Autor: Brigitte Biermann
237 Seiten
19,90€
Verlag: Beltz
ISBN 13: 978-3-407-85772-9
ISBN 10: 3-407-85772-1

no comment

2

Dec

The Glass Books of the Dream Eaters

Posted by Rabenfeder  Published in Lesefutter & Augenweiden, Plots, Protas und andere Krankheiten

So, in Zeiten der Internetabstinenz hatte ich plötzlich auch mal wieder Zeit zum Lesen.

Erfolg: Ich habe das knapp 800 Seiten dicke Werk “The Glass Books of the Dream Eaters” von G. W. Dahlquist durchgelesen, dass mir mein Bruder letztes Jahr geschenkt hat, und dass ich immer für besondere Gelegenheiten aufheben wollte. Nun, die schien mir gekommen. Und ich bin restlos begeistert. Seit dem “Song of Ice and Fire” hatte ich nicht mehr so viel Spaß an einem Buch.

Zum Inhalt:
Wir befinden uns in einem alternativen Europa, geschätzt zur Zeit der industriellen Revolution. Drei völlig unterschiedliche Menschen werden mit den Aktivitäten einer Geheimloge konfrontiert, die ganz offensichtlich schon wichtige Figuren der Politik unter ihrer Kontrolle hat.
Da gibt es zum einen Miss Temple, eine junge adelige Frau, die von ihrem Verlobten - Roger - plötzlich den Laufpass bekommt und eigentlich nur herausfinden möchte, warum.
Da gibt es ferner Cardinal Chang, der weder ein Kirchenmann noch ein Chinese ist, sondern ein professioneller - ja was eigentlich - eine Art Söldner-Detektiv-Assassine. Er bekommt den Auftrag, den Vorgesetzten eines aufstrebenden jungen Offiziers zu töten - nur um bei seiner Ankunft festzustellen, dass ihm jemand zuvorgekommen ist, und der Mann bereits tot ist. Um nicht in Schwierigkeiten zu kommen - er selbst hätte den Mord gerne als Unfall getarnt - versucht er jetzt auf eigene Faust herauszufinden, was mit dem Mann geschah.
Und zuguterletzt gibt es Doktor Svenson, einen deutschen Arzt, der sich um die gesundheitlichen Belange seines jungen Prinzen kümmern soll, der leider in den Dunstkreis der Loge geraten ist. Nebenbei allerdings spioniert der gute Doktor auch noch für einen deutschen Fürsten.

Meine Meinung
Wer Pulp und aberwitzige Abenteuer mag, wird dieses Buch lieben. Wer düstere Romantik und ein Charles-Dickens-Sherlock-Holmes-Ambiente mag, um so mehr.
Die Handlung des Buches ist eigentlich eher simpel: die Figuren finden nach und nach mehr über die Loge heraus und geraten ebenso nach und nach in Gefahr durch diese. Doch da ist Vieles, was das Buch absolut lesenswert macht. Zum einen die liebevoll gestalteten Charaktere mit ihren Eigenheiten und Ansichten, die sie richtig realistisch erscheinen lassen. Obwohl es per se kein lustiges Buch ist, musste ich doch immer wieder lachen, weil manche Erfahrungen und Ansichten der Charaktere so wunderbar typisch für sie waren. Miss Temples durch gute Erziehung gebremste Abenteuerlust und Sturheit. Changs durch schlechte Erfahrungen und generelle Flapsigkeit getarnte noble Einstellung. Des Doktors unterdrückte Leidenschaft und generelle Melancholie. All das lässt einen tief mit den Charakteren mitfühlen.
Dazu kommt das wunderbare Ambiente, das der Autor geschickt aufbaut. Das Leben zur Zeit der Dampfeisenbahnen und bahnbrechenden Erfindungen wird so anschaulich dargestellt, dass man glauben könnte, es handele sich um eine reale Stadt. Gesellschaftskonventionen, die allgemeine Aufbruchstimmung, brodelnde unterschwellige Politikspannungen - alles kommt langsam im Verlauf des Romans zu Tage.
Und zuguterletzt: das Buch ist spannend. Spannend auf eine … sagen wir pulpige Art. Es wimmelt nur so von Fluchten, Rettungen in letzter Sekunde, Verfolgungsjagden, Spionage, Duellen, finsterer Erfindungen, verhaltener Erotik. Kein Drama wird ausgelassen, wobei der Autor es dennoch schafft, die Geschichte nicht ins Klischee abrutschen zu lassen - nicht zuletzt wegen der erwähnten Charaktere und der nicht ganz trivialen Idee der Glasbücher und ihrer Wirkung.
Zu den wenigen Punkten, die vielleicht einen Abzug in der Wertung gerechtfertigen, gehören streckenweise Längen, die allerdings gut zu meistern sind und sich nicht zu sehr ziehen, und der interessante Umgang mit der deutschen Sprache. Ich habe das Buch zwar auf Englisch gelesen, aber die deutschen Gesandten haben - meiner Meinung nach - ein bisschen übertrieben “deutsch-klingende” Namen. Zum Beispiel weiß ich nicht recht, ob der Autor glaubt, “Flaüss” wäre ein sinnvoller deutscher Name - ich wüsste nicht genau, wie ich ihn aussprechen soll.

Fazit
Ein unterhaltsames Werk für Freunde der etwas anderen Fantasy und Abenteuern. Absolut lesenswert, bekommt von mir 9 von 10 Punkten.

Buchinfos
The Glass Books of the Dream Eaters
Autor: G.W. Dahlquist
784 Seiten
10,25 €
Verlag: Penguin Books Ltd. (UK)
ISBN-10: 0141027304
ISBN-13: 978-0141027302

2 comments

Categories

  • Die etwas andere Küche
  • Leben und leben lassen
  • Lesefutter & Augenweiden
  • Märkte, Kunden, Aliens
  • Plots, Protas und andere Krankheiten
  • Sinn und Unsinn
  • Stöckchen
  • Textfetzen

Andere Blogs

  • BILDBlog
  • Frau Katz und die Belletristik
  • Frostnebelmond
  • Judge a Book by its Cover
  • Sabrina in Peru

Blogs zur Schriftstellerei

  • Coppelias Blog
  • Das schwarze Schaf
  • Die Chroniken der Elomaran
  • Horrorschau
  • Juliane Korelski
  • Manuel Charisius
  • Romy Wolf
  • Schattenwacht
  • Will Write For Chocolate
  • Winterdämmerung

Einiges zum Schreiben

  • Kurzgeschichten.de
  • Schmidt & Abrahams Literaturagentur
  • Tintenzirkel
  • Wurdack Verlag

Interessantes

  • Dattelschlepper
  • Dhalia’s Lane
  • Erdenstern
  • Flinkhand
  • Kammaeleon
  • Naturseife

Netter Unsinn

  • Green Smilies
  • Piled Higher And Deeper
  • Pro Fantasy
  • ScummBar

Seifenseiten

  • Cremetöpfchens Seifen
  • El Sapone
  • Rikes Mikrokosmos
  • Salomés Seifen
  • Teufelchens Seifen

Archives

Meta

  • Log in
  • Entries RSS
  • Comments RSS
  • WordPress.org

Pages

  • California Frenzy
  • Die Rabenfeder
  • Spielmannsfluch

Recent Entries

  • Auf die Schnelle
  • Offener Brief an Herrn Ulfkotte
  • Tag 20: Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast
  • Tag 19: Ein Buch, das du schon immer lesen wolltest
  • Genug
  • Mal kein Stöckchen
  • Tag 18: Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
  • Tag 17: Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen
  • Tag 16: Das 9. Buch in deinem Regal v.r.
  • Tag 15: Das 4. Buch in deinem Regal v.l.
  • Random Selection of Posts

    • Hysteria Heynika
    • Kleiner Feigling
    • Rottweil derzeit …
    • Buchmesse und mein persönlicher kleiner NaNoWriMo
    • Seifenexperimente
    • Was sich so ereignet hat, in meiner Abwesenheit …
    • Kein Regenbogeneinhorn
© 2008 Rabenfeder is proudly powered by WordPress
Theme designing by Mark Hoodia