Normalerweise mache ich so etwas nicht. Aber die Loveparade-Geschichte ist mir schon nahe gegangen. Ich bin kein Raver, bei weitem nicht, aber ich habe Festivals besucht, Festivals, auf denen getanzt, gedrängt, gefeiert wird. Und ja, auch getrunken und vermutlich auch die eine oder andere Droge eingeworfen.
Insofern ist mir Frau Hermans Artikel Sex- und Drogenorgie Loveparade schon sauer aufgestoßen, ich fand ihn unnötig pauschalisierend und zu diesem Zeitpunkt ziemlich geschmacklos.
Noch mehr habe ich mich aber heute über Herrn Ulfkottes Verteidigungsartikel geärgert: Nach der Loveparade: Journalisten schmeißen Eva Herman einen Stein hinterher. Und da ich mich so sehr geärgert habe, wollte ich Herrn Ulfkotte eine Mail schreiben. Leider gab es wohl mit dem Mailprogramm Probleme, vielleicht war meine Mail auch zu lang. Deswegen werde ich meinen Text nun doch öffentlich posten.
Ich muss gestehen, ich habe mir nur einen Punkt von Herrn Ulfkotte herausgepickt. Ich könnte an mehr ansetzen, doch dafür ist mir meine Zeit dann doch zu knapp.
Hier ist mein Brief:
Sehr geehrter Herr Ulfkotte,
In ihrem Artikel sprechen sie davon, dass viele Menschen (insbesondere Journalisten) Frau Herman falsch verstanden hätten, und dass sie keine Opfer verhöhnen wollte, sondern Missstände auf der Loveparade anprangern.
Ich stimme Ihnen insofern zu, dass Frau Herman den Familien der Opfer ihr Mitgefühl aussprach. Dennoch kann ich Sätze wie “Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsrnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt” nur als geschönte Version von “Selbst Schuld” interpretieren.
Aber darum soll es primär gar nicht gehen. Ich selbst - gebe ich gerne zu - bin kein Fan von der Loveparade, nie gewesen und kann mir vorstellen, dass es dort zu übermäßigem Alkohol- und eventuell auch Drogenkonsum kam.
Sie aber schreiben:
“So friedlich wie von vielen dargestellt, ist die Veranstaltung eben doch nicht. Es handelt sich immerhin um die größte öffentliche Rauschgiftparty der Welt. Jedes Jahr kommen im Drogenrausch bei solchen Veranstaltungen Menschen ums Leben – und nur glückliche Umstände haben eine Massenpanik in der Vergangenheit bei Loveparades verhindert.”
Ich würde gerne wissen, woher sie die “größte öffentliche Rauschgiftparty” nehmen, sind das gesicherte Angaben? Denn ein kurzer Blick in Google bescherte mir folgenden Artikel:
Drei Tote - wie in dem von Ihnen verlinkten Artikel über die Loveparade - allerdings nicht 2000 sondern 2009. Auf Deutschlands größtem Volksfest, wo sich über 50 Millionen Menschen aufgehalten haben. Ich wette, mindestens die Hälfte von denen hat Alkohol konsumiert.
Sowohl Dr. Gresch (http://www.psy-knowhow.de/psycho/alkohol/index.html) als auch die Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Rauschgift) bezeichnen Alkohol durchaus als Rauschgift. In der Rangfolge der Schädlichkeit rangiert Alkohol deutlich weiter oben als Ecstasy, das als die klassische Raver-Droge gilt.
Deswegen würde ich die pauschale Aussage: “größte öffentliche Rauschgiftparty” lieber noch einmal durchdacht wissen.
Herzliche Grüße,
Veronika Bicker
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